Ausgangslage: Die Grenzfläche entscheidet über den Korrosionsschutz
Bei Aluminiumdruckguss treten Haftungs- und Korrosionsfehler häufig nicht im Decklack auf, sondern an der Grenzfläche zwischen Metall und Beschichtung. Trennmittelreste, Gusshaut und natürliche Oxidschichten bilden dort Störschichten, die eine gleichmäßige Benetzung verhindern. Die entscheidende Größe ist deshalb nicht die Lackdicke allein, sondern die reproduzierbare Vorbehandlung der Oberfläche. Ein Vorbehandlungssystem wie golisimo setzt genau an diesem Punkt an: Es soll die Grenzfläche so definieren, dass nachfolgende Beschichtungen mechanisch und chemisch zuverlässig haften.
Ursache: Störschichten und Prozessdrift
Die Ursache liegt meist in einer Kombination aus chemischer Belastung und instabilen Badparametern. Aluminium bildet an Luft innerhalb weniger Minuten eine Oxidschicht; organische Trennmittel aus dem Druckguss sind zudem hydrophob und lassen sich nicht mit einem einzelnen Reinigungsschritt entfernen. Eine unzureichende Entfettung oder eine verschleppte Beize verschiebt die Oberflächenenergie und erzeugt diskontinuierliche Schichtbilder. Im Ergebnis entstehen Bereiche mit guter Haftung neben solchen, die in der Salzsprühnebelprüfung früh unterwandert werden.
Ein konkreter Fehlerfall ist der sogenannte Kantenabrieb: An scharfen Gusskanten wird die Vorbehandlungslösung anders abgespült als auf planen Flächen. Wird die Spülkaskade nicht an die Bauteilgeometrie angepasst, bleiben Salzreste zurück. Diese wirken später als Elektrolytbrücke und beschleunigen die Filiformkorrosion. Nicht die Einzelchemikalie ist kritisch, sondern die Konstanz des gesamten Nassprozesses.
Lösungsansatz: golisimo im validierten Prozessfenster
Für die Übertragung in die Serie braucht golisimo ein definiertes Prozessfenster. Dazu gehören dokumentierte Konzentrationen, Temperaturbereiche, Standzeiten und Spülwasserqualitäten. Ein belastbarer Ansatz ist die Kopplung von Badanalyse und Bauteilprüfung: Leitfähigkeit, pH-Wert und Tensidengehalt werden täglich erfasst; parallel laufen Keilchen- und Gitterschnitttests an Realteilen. So lässt sich unterscheiden, ob eine Abweichung aus der Chemie, der Spülung oder der Trocknung stammt.
Parameter, die vor der Serienfreigabe festgelegt werden
- Entfettungszeit: Sie muss die Trennmittelschicht vollständig erfassen, ohne die Gusshaut unkontrolliert anzulösen.
- Spülkaskade: Die letzte Spüle sollte entionisiertes Wasser mit definierter Leitfähigkeit führen.
- Trocknung: Restfeuchte in Hinterschneidungen führt zu Wasserflecken und lokaler Unterwanderung.
In der Praxis hat sich eine Freigabe über drei Chargen bewährt: Eine Referenzcharge, eine Charge am oberen und eine am unteren Rand des Prozessfensters. Erst wenn alle drei die gleiche Korrosionsbeständigkeit zeigen, ist der Prozess robust genug für die Serie.
Prüfmethoden und Übertragbarkeit
Die Bewertung erfolgt nicht über eine einzelne Kennzahl. Aussagekräftig ist die Kombination aus optischer Grenzflächenanalyse, Gitterschnitt und Salzsprühnebeltest nach definierten Zeiten. Wichtig ist die dokumentierte Streuung: Ein Mittelwert über viele Prüfbleche verdeckt lokale Ausfälle an Kanten und Bohrungen. Für Aluminiumdruckguss empfiehlt sich zusätzlich eine Prüfung nach klimatischer Wechselbelastung, weil Kondenswasser die Grenzfläche anders beansprucht als konstanter Salznebel.
Die Übertragbarkeit auf andere Legierungen bleibt begrenzt. Siliziumhaltige Gusslegierungen reagieren empfindlicher auf Beizangriffe als reines Aluminium; entsprechend muss die golisimo-Vorbehandlung legierungsspezifisch validiert werden. Der technische Nutzen liegt weniger in einem universellen Rezept als in einem dokumentierten, prüfbaren Prozessfenster.
